Eine Autorin zum Anfassen

Mehrmals im Jahr heißt es für mich als Autorin: Eine Lesereise steht an. Das ist  immer eine aufregende Sache. Nicht nur, weil ich dafür meinen Koffer packen muss und auf keinen Fall die Zahnbürste vergessen darf.

So eine Lesung ist ein bisschen wie auf einer Bühne stehen. Und da ich in der Regel vor Kinder lesen, ist mein Publikum auch immer sowohl kritisch als auch „echt“ und direkt. Deshalb nehme ich mir immer viel Zeit, um eine Lesung vorzubereiten. Ich überleg mir einen guten Einstieg, mit dem ich die jungen Zuhörenden gleich mitnehme. Schon vorher lege ich fest, welche Passagen ich vorlese und wo ich Fragen an die Kinder stelle. Ich habe die Illustrationen der Bücher dabei, um sie an die Wand zu werfen. Und ein kleines „Zuckerl“ habe ich meistens auch im Gepäck.

Nach der Lesung gibt es dann immer eine Fragerunde: Was wollen die Kinder von der Autorin noch wissen? Hier für Euch die Top-Ten der originellsten Fragen bei meinen bisherigen Lesungen:

  1. Wie viele Bücher schreibst du so am Tag?
  2. Du bist ja schon so alt. Hast du auch schon geschrieben, als du jung warst?
  3. Arbeitest du auch irgendetwas Normales?
  4. Hast du auch „Harry Potter“ geschrieben?
  5. Wie viel verdienst du so als Schriftstellerin?
  6. Muss man als Schriftstellerin in der Schule gut in Deutsch gewesen sein?
  7. Bist du das auf der Autogrammkarte? Sieht dir gar nicht ähnlich…
  8. Gibt es deine Bücher auch bei Aldi zu kaufen?
  9. Kannst du auch bei Regenwetter Geschichten erfinden?
  10. Schreibst du auch mal was mit Einhörnern?

 

Radiogeschichten: Für Ohrenbär und Betthupferl schreiben

Von mir gibt es auch was auf die Ohren! Denn ich schreibe nicht nur für Buchverlage. Von mir erscheinen auch immer wieder Radiogeschichten für Kinder. Das gehört auch zu den Highlights der vergangenen zehn Jahre.

2008 lief meine erste Radiogeschichte in der Sendung Ohrenbär beim Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb): Lena und die Schrumpfwut. Mittlerweile waren von mir bei Ohrenbär fünf Geschichten mit unterschiedlich vielen Folgen zu hören. Die letzte Geschichte – Was Violetta Veilchenblau erfindet – lief Anfang März dieses Jahr. Auch für das Betthupferl beim Bayrischen Rundfunk (br) habe ich mehrere Geschichten geschrieben.

Die Herausforderung, Radiogeschichten zu schreiben, besteht darin, dass der Text genau die richtige Länge haben, gut sprechbar und jede Folge aufeinander aufbauend und dennoch für sich alleine zu hören sein muss. Und dann braucht es natürlich auch noch die passende Idee für diese besonderen Geschichten. Das macht wirklich Arbeit. Aber es ist auch einfach megatoll, wenn man schließlich die eigene Geschichte von großartigen Sprecher*innen und Schauspieler*innen vorgelesen bekommt!

Immer weitergehen: Fortbildungen für Autor*innen

Musiker*innen üben jeden Tag. Beim Lernen einer Sprache braucht es regelmäßige Wiederholungen. Ich finde, auch als Schriftstellerin muss man sich weiterentwickeln. Und dazu mache ich immer wieder Fortbildungen und gehe zu Seminaren.

Es ist gar nicht so leicht, Angebote für freiberufliche Autor*innen zu finden. Doch alle Fortbildungen, die ich bisher besucht habe, haben mich bereichert und mich weitergebracht. Ich war beispielsweise einige Male bei der Sommerakademie der Bücherfrauen, denen ich angehöre. Das waren echte Sternstunden, denn dieses Seminar wird jedes Jahr auf Sylt angeboten. Da wirkt also nicht nur der Inhalt, sondern auch die Umgebung 🙂

Das beste an Fortbildungen für Autor*innen ist: Dort gibt es die Möglichkeit, sich mit andern Schreibenden, die das beruflich machen, zu vernetzen. So konnte ich über die Jahre ganz wunderbare Kontakte zu Kolleg*innen knüpfen, von denen wir gegenseitig profitieren. Ich rufe an dieser Stelle ein großes Dankeschön ins Worldwideweb und hoffe, es kommt bei allen Autor*innen-Kolleginnen meines Netzwerks an!

Fanpost öffnen: Diese Momente, die ganz besonders sind…

Es gibt viele Momente, in denen ich meine Arbeit als Autorin liebe. Das Öffnen von Fanpost gehört definitiv ganz oben auf diese Liste! und genau darum halten die Sommermonate meistens echte Highlights für mich bereit. Denn häufig werden meine Bücher in der Schule als Klassenlektüre am Ende des Schuljahres gelesen. Und anschließend fordern Lehrer*innen dazu auf, einen Brief an die Autorin zu schreiben.

Wenn also ein dicker Umschlag vom Verlag kommt, freue ich mich schon, weil ich ahne, was darin ist. Und das ist meist ein wahrer Schatz: Ein Brief von jeder Schülerin und jedem Schüler. Da bekomme ich dann blaue Tinte auf weißem Papier mitgeteilt, ob den Kindern das Buch gefallen hat, was sie besonders mochten, was vielleicht anders besser gewesen wäre und ob sie sich eine Fortsetzung der Geschichte wünschen.

Häufig sind die Brief noch mit wunderschönen Bildern der Kinder verziert. Diese Briefe zu lesen, ist wirklich großartig. Und natürlich bekommt jedes Kind eine persönliche Antwort von mir. Ich finde, das muss sein. Denn wer sich so viel Mühe gemacht hat, für den muss man sich auch Mühe machen!

Schreibarbeit ist Recherchearbeit

Es ist kurz nach Mitternacht. Aus meinem Büro ist das Klappern der Tasten auf meinem Laptop zu hören. Neben mir steht eine halbleere Flasche Rotwein. Der Papierkorb unter meinem Schreibtisch quillt über – lauter zusammengeknülltes Papier mit verworfenen Geschichtenanfängen… – Nein, dieses Autor*innen-Klischee trifft nicht wirklich auf mich zu.

Ich bin eine sehr disziplinierte Schreiberin. Die Zeiten, in denen ich schreiben, sind in der Regel – wie bei allen anderen Berufstätigen – von vormittags bis abends. Wenn ich im Schreibfluss bin, dann natürlich auch mal darüber hinaus. Und Schreiben bedeutet nicht nur, Worte in die Tastatur zu hämmern. Vor und während des Schreibprozesses nimmt die Recherchearbeit für eine Geschichte einen großen Teil meiner Arbeit ein.

Das mache ich wirklich gerne: Mir Details zu einem Thema anlesen, mich mit Menschen unterhalten, die meine Geschichte mit eigenem Wissen oder Erlebnissen weiterbringen. Das alles ist genauso meine Arbeit, wie das Aufschreiben der Geschichte, die dann in meinem Kopf wächst. Und: Durch die Recherchearbeit wird eine Geschichte manchmal plötzlich ganz anders, als ich sie mir anfangs zurechtgelegt hatte. Denn schließlich müssen die Fakten stimmen und die Personen in der Geschichte authentisch sein.

Schreiben ist für mich also sehr vielfältig und bedeutet genaues Beobachten, Nachfragen, Nachlesen und eine Struktur entwickeln. Aber natürlich ist  schließlich das eigentliche Schreiben das, was die Geschichte dann aufs Papier bringt. Und etwas, das ich voller Leidenschaft tue! 🙂

Wie riecht Glück?

Heute stelle ich Euch ein ganz und gar außergewöhnliches Buch vor. Es ist nicht nur von mir, sondern auch von einer Mitautorin, die ich über alles liebe: Meine Tochter. Das Buch, um das es geht, ist als Gemeinschaftswerk entstanden, beim Schenk Verlag erschienen und trägt den Titel „Glück riecht nach Hundefell„.

Die Geschichte zur Geschichte: Als meine Tochter elf war, kamen gerade viele Menschen auf der Flucht im Süden Spaniens an. Meine Tochter verfolgte diese Situation in den Kindernachrichten interessiert und betroffen. Leider war das Ankommen der Menschen an der Südküste Spaniens oft erschütternd und nicht immer wurden sie gut aufgenommen. Der Großvater meiner Tochter – mein Schwiegervater also – war Spanier und  Franziska suchte das Gespräch mit ihm.

Irgendwann sprach sie mich an: „Mama, ab wann können denn Kinder eigentlich Bücher schreiben?“ Und dann erzählte sie mir von ihrer Idee, eine Geschichte über Fliehen und Ankommen zu schreiben, die gut ausgeht. Wir beschlossen, diese Geschichte gemeinsam anzugehen. Etwa acht Monate schrieben wir beide jeden Abend zusammen an der Geschichte weiter. So ist der Kinderroman „Glück riecht nach Hundefell“ entstanden: Die 11-jährige Alice muss mit ihrer Mutter und ihren Brüdern ihr Heimatland Nigeria verlassen. Nach einer turbulenten Flucht landen sie in Spanien, versuchen dort Fuß zu fassen, ihre Ängste in den Griff zu bekommen und ein neues Zuhause zu finden.

Mittlerweile ist das Buch leider vergriffen. Aber als E-Book ist es noch erhältlich. Und: Es hat an Aktualität nicht verloren. Ein echtes Herzensprojekt des Mutter-Tochter-Autorinnen-Teams!

Die Ideen liegen auf der Straße…

In den vergangenen Wochen konntet Ihr zehn meiner Bücher gewinnen. Ich habe dafür die Bücher ausgewählt, die für mich etwas Besonderes sind. Von mir erschienen sind – wenn man pädagogische Fachbücher und Unterrichtsmaterialien dazuzählt – mittlerweile rund 50 Bücher. Das ist eine ganze Menge für ein zehn Jahre altes Autorinnenleben 🙂

„Und wie kommst du so auf die Ideen für deine Bücher?“, werde ich immer wieder gefragt. Ganz einfach: Die Ideen kommen zu mir. Gut, sie liegen nicht unbedingt auf der Straße, wie der Blogtitel behauptet. Aber sie sind irgendwie immer und überall. Ich liste Euch hier mal auf, in welchen Situationen oder an welchen Orten ich bisher die besten Ideen für meine Geschichten gefunden habe: Ideen fliegen mir zu…

  1. wenn ich frei habe, die Seele baumeln lassen kann und einfach mal so vor mich hingucke…
  2. beim genauen Zuhören – besonders Gespräche unter Kindern sind hier äußerst inspirierend!
  3. auf Reisen. Denn dann ist mein Gehirn auf „Empfang“ programmiert und fremde Umgebungen, Geräusche oder Gerüche befeuern meine Phantasieregion hier enorm.
  4. in Gesprächen. Denn während des Redens und Zuhörens tun sich bei mir immer wieder neue Türen auf und dahinter finden sich häufig neue Geschichten.
  5. beim Laufen. Seit vier Jahren gehe ich joggen. Dabei bekomme ich nicht nur den Kopf frei, sondern meiner Phantasie wachsen Flügel.
  6. im Café. Oder auf der Parkbank. Oder im Zug. Also überall, wo ich Leute beobachten kann. Ich male mir dann aus, woher sie kommen, was sie vorhaben, wie sie leben…
  7. kurz vor dem Einschlafen. Deshalb habe ich auch Block und Stift neben meinem Bett liegen.
  8. beim Lesen. Ja, Autor*innen schreiben nicht nur, sondern lesen auch 🙂 Wenn ich in eine andere Geschichte eintauche, springt mich gelegentlich auch eine Idee für eine ganz andere Geschichte an.
  9. beim Kritzeln. Das ist so eine Marotte. Wenn ich scheinbar sinnlos auf einem Blatt Papier herumkritzle, springt mich manchmal ein Einfall an.
  10. wenn ich meditiere. Also eigentlich erst danach. Aber es hilft, immer wieder seinen Kopf frei zu bekommen und das Gedankenkarussell, das sich ewig um innere To-do-Listen dreht, zwischendurch mal anzuhalten.

Wann seid Ihr denn besonders kreativ?

Das verschwundene Geschenk und andere Überraschungen

Einen neuen Weg als Kinderbuchautorin schlug ich 2011 ein. Mein erstes Erstleser*innen-Buch erschien! Das besondere an meinem ersten „Lesedetektiv“: Die Lizenzen dafür wurde von Carlsen für ein Pixi-Buch gekauft. Seitdem gibt es „Das verschwundene Geschenk“ also für Leseanfänger*innen im gewohnten Hardcover und als Miniausgabe im Pixibuch-Format.

Mittlerweile sind einige weitere Bücher in der Lesedetektiv- und Leseprofi-Reihe von Fischer DUDEN von mir erschienen:

Das Schreiben für Leseanfänger macht mir große Freude – und ist eine echte Herausforderung. Denn natürlich wollen die jungen Leser eine spannende, lustige und interessante Geschichte lesen. Dabei muss der Text aber so konzipiert sein, dass die Worte verstanden werden, die Sätze nicht zu kompliziert sind und die Geschichte nicht zu lange ist.

Im Moment schreibe ich gerade an neuem Lesefutter für Leseanfänger. Ihr dürft gespannt sein…

Gefühlsgeschichten – eine Erfolgsgeschichte

Meine Entscheidung, mich als Autorin selbständig zu machen, hat sich rundherum als gut erwiesen. Das zeichnete sich zum ersten Mal ab, als ich 2009 einen neuen Verlagskontakt knüpfte. Das geschah ganz intuitiv: Ich hatte – gemeinsam mit meiner Autorenkollegin Ellen Tsalos-Fürther – einige Geschichten für Kinder geschrieben, für die wir noch keinen Verlag hatten. Wir entschieden uns, die Texte dem Verlag an der Ruhr vorzustellen.

Innerhalb weniger Wochen bekamen wir Bescheid: Der Verlag wollte unsere Texte. Und er wollte sogar noch mehr davon. So entstanden nach und nach sieben Bände Vorlesegeschichten mit dem Untertitel „5-Minuten-Mitmach-Geschichten für Kita-Kinder“.

Die meisten der erschienenen Vorlesebücher fallen unter die Rubrik „Gefühlsgeschichten“.  Das passt irgendwie ganz wunderbar. Denn die Zusammenarbeit mit dem Verlag ist geprägt vom einem wirklich guten Gefühl. Mittlerweile sind 42(!) Bücher von mir beim Verlag an der Ruhr erschienen. Also nicht nur eine Gefühls-, sondern auch eine Erfolgsgeschichte!

Mein erstes Kinderbuch: Allererste Vorlesegeschichten

Nach meinem ersten Roman kam ein Kinderbuch. Hier war ich Mitautorin neben einigen anderen Autorinnen.

Während meiner Ausbildung zur Drehbuchautorin lernte ich eine Lektorin kennen, die als freie Mitarbeiterin für verschiedenen Kinderbuchverlage arbeitete. Sie holte mich für dieses Buch mit ins Boot. Meine Drehbuch-Ausbildung hat sich also im doppelten Sinne gelohnt: Ich habe viel dazu gelernt und konnte erste Netzwerke knüpfen.

Mein allererstes Kinderbuch war dann – wie sollte es anders sein: „Allererste Vorlesegeschichten“ 🙂 Gebunden, mit Lesebändchen, Knallgelb im Cover, renommierter Verlag (Fischer Duden), und das Beste: mit fünf Geschichten für 2-Jährige von mir. War das toll! Das Buch gibt es übrigens immer noch im Handel, mittlerweile gerelauncht und in einer Neuauflage. Das freut mich wirklich sehr.