Die Geburtsstunde meines ersten Romans

Mein erster Roman, den ich veröffentlicht habe, ist eine ganz besondere Geschichte. Sie ist nämlich eine Herzensgeschichte und im weitesten Sinne ein Vermächtnis, das ich bekommen und weitergegeben habe. Das hört sich jetzt doch sehr pathetisch an, merke ich. Darum fange ich lieber anders an, davon zu erzählen:

Den Mut, wirklich ernsthaft zu schreiben, fasste ich nach einem ziemlich traurigen Ereignis: Meine Oma war gestorben. Als ich klein war, war sie es, die mir Geschichten erzählte und mich in meiner Phantasie mit in andere Welten nahm. Das waren in der Regel keine Traumwelten, sondern vielmehr die Vergangenheit, in der sie selbst großgeworden war. So erfuhr ich über die Zeit kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende, über Kriegswirren und Wiederaufbau – und über ihr Leben damals als Mädchen und junge Frau auf dem Land.

Diese Geschichten faszinierten mich so sehr, dass ich mir immer vorgenommen hatte, sie auch einmal meiner Tochter zu erzählen. Als meine Oma dann starb, war mir schlagartig klar: Wenn ich die Geschichten jetzt nicht irgendwie festhalte, gehen sie verloren.

So begann ich, die Episoden aus dem Leben meiner Großmutter aufzuschreiben. Nach und nach merkte ich, dass daraus etwas ganz Neues entstand. Die Oma-Erzählungen waren nur noch die Grundidee. Ich begann, über die Zeit zwischen 1914 und 1955 zu recherchieren. Das Ergebnis war eine fiktionale Geschichte über eine junge Frau und ihre Großmutter mit Gegenwartstexten und Rückblenden: Glückssachen war entstanden.